Wo das Futter herkommt

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Steffen Haupt, Ingeborg Griesbach und Batia Renk (v. li.) sorgen dafür, dass die Futtertröge immer voll sind. Foto: sal

Brokkoli, Avocados, Äpfel, Kartoffeln, Zwieback, Rindfleisch, Fisch, Reis – das könnte auch auf der Einkaufsliste einer normalen Familie stehen. Allerdings sprengen die Mengenangaben auf Ingeborg Griesbachs Bestellzettel die Dimensionen eines normalen Kühlschranks bei weitem. Und Mehlwürmer und lebende Ratten werden in der Küche im Allgemeinen auch unbarmherzig bekämpft und nicht extra geordert. Aber Ingeborg Griesbach kauft ja auch nicht für einen Familienhaushalt ein, sie ist für die Verpflegung der Zootiere zuständig.

Da muss natürlich in ganz anderen Dimensionen gerechnet werden. Sie ordert zum Beispiel 2000 Kilo Äpfel – pro Woche! Dazu 16 Kisten Bananen, 60 Kisten Chinakohl, 35 Kisten Rote Bete und und und – die Liste für Obst und Gemüse ist lang. Einmal im Monat werden zwei Tonnen Rindfleisch angeliefert. Fisch kommt tiefgefroren in großen Blöcken ins Haus. Brot und Brötchen sind meist Spenden von Bäckereien. Die Ratten werden vom Züchter auf einer Palette in Einzelkäfigen gebracht. Mehlwürmer kommen regelmäßig im Karton per Post. Ob der DHL-Mitarbeiter weiß, was er da ausliefert?

Verfüttert wird nur einwandfreie Ware

In den Lager- und Kühlräumen des Wirtschaftshofs werden die Vorräte aufbewahrt. Im Regal liegen auch Packungen mit Babybrei, Milchbrei und Tees sowie Zwieback.  In hohen Stapeln finden sich Säcke mit Fertigfutter zum Beispiel für Flamingos. „Früher haben wir das auch selbst zusammengemischt“, berichtet Ingeborg Griesbach, die schon seit 25 Jahren im Wirtschaftshof arbeitet.

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Hier wird das Futter zusammengestellt, an der Wand hängen die Speisepläne. Foto: sal

Jeden Tag machen Ingeborg Griesbach und ihre Mitarbeiter die richtige Mischung in der gewünschten Menge für die einzelnen Reviere im Zoo zurecht. Dabei wird natürlich penibel auf Frische geachtet, in die Futtertröge kommt nur einwandfreie Ware. „Was ich nicht essen würde, würde ich auch nicht verfüttern“, betont Ingeborg Griesbach. Ich gehe mal davon aus, dass Mehlwürmer, Ratten und Mäuse nach anderen Gesichtspunkten beurteilt werden . . .

An den Wänden in der Futterküche im Wirtschaftshof hängen große Tafeln mit den Speiseplänen der Reviere. Äpfel stehen fast überall auf dem Plan. Die Menschenaffen bekommen auch Joghurt, Quark und Eier. Das Fingertier im Nachttierhaus gehört zu den Feinschmeckern, die sich über Mango freuen, Antilopen schätzen offenbar auch Fenchel und Sellerie. Mund-, maul- oder schnabelgerecht zubereitet werden Obst, Gemüse und die anderen Zutaten dann in den Revieren direkt von den Pflegern.

Reiskuchen mit und ohne Rosinen

Reiskuchen. Foto: sal

Reiskuchen. Foto: sal

In der Küche stehen große, glänzende Töpfe auf dem Herd. Hier wird Gemüse wie Kartoffeln oder Mais gegart, um es so für manche Tiere bekömmlicher zu machen. Außerdem werden hier täglich Reiskuchen gekocht – für Menschenaffen und Fasane zum Beispiel mit Rosinen, für Nashörner und andere ohne. Weil auch Zootiere manchmal unter Verstopfung leiden, köchelt manchmal auch ein Brei aus Leinsaat auf dem Herd.

Der „neue“ Wirtschaftshof ist seit Herbst 2008 in Betrieb. Das Gelände, auf dem früher der Wirtschaftshof und eine zooeigene Gärtnerei untergebracht waren, wurde für ein geplantes Riesenrad freigemacht. Die Investoren haben sich verkalkuliert, das Projekt wurde begraben. Was nun mit dem Gelände passiert, ist noch unklar. Aber der Zoo kann sich seitdem über ein modernes Gebäude freuen. Neben der Futterküche sind hier unter anderem ein Gewächshaus, die Tierklinik und Werkstätten untergebracht.

 

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