Zwei Nashorn-Babys im Zoo

Spitzmaulnashorn-Mutter Maburi mit ihrem Nachwuchs. Foto: Zoo Berlin

Spitzmaulnashorn-Mutter Maburi mit ihrem Nachwuchs. Foto: Zoo Berlin

Auf so manchen Filmstar warten Fans und Fotografen Stunden bis er oder sie sich endlich blicken lässt. Ähnlich war es heute vormittag im Berliner Zoo. Ein ganzer Tross von Journalisten, Fotografen und Filmteams nahm vor dem Nashorn-Gehege Aufstellung – und wartete – und wartete.  Am 2. Oktober um 9:30 Uhr hatte Spitzmaulnashorn Maburi ihr zweites gesundes Jungtier auf die Welt gebracht. Und der kleine Nashorn-Junge sollte nun der Weltöffentlichkeit präsentiert werden.

Aber Mutter und Kind zogen es vor, im Haus zu bleiben. Die Tierpfleger hatten eine verlockende Apfel-Leitspur nach draußen in den Sand gelegt,  einer lockte am Eingang durchs Gitter mit weiteren Leckereien. Diese wurden von Maburi gern entgegen genommen, aber schon drehte sie sich wieder um und verschwand in den hinteren Räumlichkeiten. Auch das Nashorn-Kind ließ sich mal kurz am Eingang blicken. Die Kameras wurden hochgerissen, doch schon war auch der Kleine wieder nicht mehr zu sehen.

Die Situation sei für beide noch ungewohnt, erläuterte Zoo-Tierarzt und Nashornkurator Dr. Andreas Ochs. Zuvor wurden sie nur auf das hintere Freigehege gelassen, das von Besuchern nicht eingesehen werden kann. Auch die Kameras trugen wahrscheinlich zur Verunsicherung bei. „Die Kameralinsen sind für die Tiere  wie große Augen, die sie anschauen“, so Zoodirektor Dr. Andreas Knieriem.

Zweite Geburt in der Nacht

Die Nervosität und Zurückhaltung von Maburi hatte aber wohl auch noch einen anderen – für den Zoo sehr erfreulichen – Grund: In der Nacht wurde im selben Haus noch ein zweites kleines Spitzmaulnashorn geboren. Das Junge von Nashornkuh Kumi ist wahrscheinlich ebenfalls ein kleiner Bulle. Nun gibt es insgesamt acht Spitzmaulnashörner im Berliner Zoo, Vater Jasper, fünf Spitzmaulnashornkühe und die beiden Kleinen.

Spielgefährten werden die beiden Jungtiere nicht werden, denn Nashörner sind Einzelgänger. Man wird sie wohl nicht einmal beim selben Zoobesuch sehen können, die beiden Mütter mit ihren Kindern werden künftig jeweils abwechselnd auf die Freianlage gelassen, erläuterte Dr. Ochs.

Dr. Knieriem nutzte die Wartezeit für ein besonderes Lob: „Die Berliner Spitzmaulnashörner haben besonders schicke Hörner.“  Die Hörner des Nashorns sind übrigens keine Knochenfortsätze sondern werden aus Keratinfasern (enthalten in Haaren und Haut) gebildet, sie wachsen kontinuierlich über Jahre hinweg. Bei dem kleinen Nashörnchen kann man schon gut erkennen, an welchen Stellen auf dem Kopf die beiden Hörner in den nächsten Jahren wachsen werden.

Ein Berliner Nashorn lebt jetzt in Tansania

Etwa zweieinhalb bis drei Jahre werden die Kleinen bei ihren Müttern bleiben, dann werden sie an andere zoologische Einrichtungen abgegeben. Eine weite Reise hat ihre zweijährige Halbschwester Akili im kommenden Jahr vor sich. Sie zieht nach Yokohama um, verriet Dr. Ochs.

„Der Berliner Zoo ist weltberühmt für seine erfolgreiche Spitzmaulnashornzucht“, betonte Zoodirektor Dr. Knieriem. „Wir freuen uns sehr über den erneuten Zuchterfolg bei dieser stark bedrohten Tierart.“ Nach Angaben der Weltnaturschutzunion gibt es in Afrika nur noch etwa 5000 Spitzmaulnashörner, etwa 80 Tiere leben in Europa in menschlicher Obhut. Sie werden gezielt gezüchtet, um den Bestand langfristig zu sichern.  Und das nicht nur in den Zoos, sondern auch in freier Natur. So wurde ein Spitzmaulnashorn aus dem Berliner Zoo vor zwei Jahren nach einem Zwischenstopp in England in Tansania ausgewildert.

Der Pate darf den Namen aussuchen

Für den kleinen Nashorn-Jungen wird übrigens noch ein Pate gesucht. Dieser sollte mindestens 5000 Euro pro Jahr für sein Patentier spenden. Auch Sachleistungen sind sicher willkommen. Im Nashornhaus herrscht nämlich Sanierungsbedarf, zum Beispiel wird dringend eine neue Heizung gebraucht . . . Dafür darf der Pate oder die Patin dann aber auch den Namen für das Jungtier aussuchen. Zoodirektor Dr. Knieriem wünscht sich ausdrücklich keinen afrikanischen Namen für den Kleinen: „Meinetwegen darf er auch Egon heißen!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.