In 15 Jahren eine neue Welt

Im Amazonashaus sollen unter anderem Jaguare, Brüllaffen, Seekühe und Faultiere leben. Illustration: Tierpark Berlin

Im Amazonashaus können Besucher unter anderem Jaguare, Brüllaffen, Seekühe und Faultiere erleben. Illustration: Tierpark Berlin

Ein Dreivierteljahr hat Zoo- und Tierparkchef Dr. Andreas Knieriem mit Tierparkmitarbeitern und externen Fachberatern an einem neuen Konzept für den Tierpark gearbeitet. Jetzt hat er die Pläne der Öffentlichkeit vorgestellt, und eins ist klar: Es bleibt (fast) nichts so wie es war. In den nächsten 15 Jahren soll auf dem Tierpark-Gelände eine neue Welt entstehen, in der man von Kontinent zu Kontinent wandert oder fährt. Man kann dann z. B. mit der Erlebnisbahn durch Afrika fahren oder mit der Gondel auf den Himalaya. Der Hauptausschuss sollte eigentlich bei seiner letzten Sitzung über die Pläne und ihre Finanzierung diskutieren. Leider wurde die Beratung verschoben. Eine Entscheidung gibt es nun erst nach der Sommerpause.

Zu den Grundideen des Konzepts gehört, die Besucher  künftig näher an die Tiere heranzuführen. Gehegeabsperrungen sollen quasi unsichtbar werden, Gräben können Zäune ersetzen. Die Gehege sollen insgesamt für Besucher, aber auch für die tierischen Bewohner attraktiver werden. Durch ein klares Orientierungssystem und neue Beschilderungen sollen  sich die Besucher besser zurechtfinden. Auch die Gastronomie wird runderneuert.

Im Tierpark von Kontinent zu Kontinent spazieren

Einmal um die ganze Welt beim Tierpark-Besuch. Illustration: Tierpark Berlin

Einmal um die ganze Welt beim Tierpark-Besuch. Illustration: Tierpark Berlin (Zum Vergrößern bitte klicken)

Die Tieranlagen werden nach geografischer Zugehörigkeit geordnet, das heißt, man kann durch Europa, Afrika, Asien, Nordamerika, Südamerika und Australien spazieren und findet die dort lebenden Tiere versammelt.  Das sieht dann z. B. so aus:

Der Haupteingang am Bärenschaufenster ist eingebettet in den Nordamerika-Bereich. Die Besucher werden von Bisons, Bären und Steinadlern begrüßt. Der eigentliche Eingang mit  Kassen sowie Shop, Toiletten und Imbiss wird ins Terassencafé verlegt. Dadurch soll der gesamte Eingangsbereich attraktiver werden. Zu Nordamerika gehören unter anderem auch die Eisbären, Seerobben und Seebären.

Das Dickhäuterhaus liegt künftig in Afrika. Eine große Herde afrikanischer Elefanten wird hier leben, außerdem werden Spitzmaulnashörner hier zu sehen sein. Asiatische Elefanten und asiatische Nashörner kann man dann im Zoo besuchen. Zu Afrika gehören zum Beispiel auch  Giraffen, Kaffernbüffel, Wasserböcke, Weißbartgnus und Zebras, die sich künftig eine große Freianlage teilen.

Aus dem Alfred-Brehm-Haus wird eine  Dschungel-Welt. Sumatra-Tiger, Java-Leopard und asiatische Goldkatze leben hier bereits. Außerdem sollen hier z. B. Goodfellow-Baumkänguruhs, Philipinische Krokodile und Malaienbären einziehen.

Elegante Lösung für das Schutt-Problem

Asien: Im Affenhaus sollen Gibbons und Orang Utans leben. Aauf dem dahinter anschließenden Hügel kann man asiatische Gebirgstiere wie Schneeleoparden, Kleine Pandas und Takine in einer Himalaya-Umgebung bestaunen. Das ist gleichzeitig eine elegante Lösung für ein Problem, das Dr. Knieriem von seinem Vorgänger geerbt hat: Aus den riesigen Schuttbergen wird die Himalaya-Spitze. Die derzeitigen Gehege der Kulane, Przewalskipferde, Kiangs und Wasserbüffel werden zusammengelegt und bilden eine große mongolische Steppenanlage, auf der dann Trampeltiere, Przewalski-Pferde, Kulane und Kropfgazellen leben.

Da die Trampeltiere dann nach Asien umgezogen sind, kann das große Freigehege zum australischen Outback werden. Hier sollen z. B. begehbare Känguruh-Gehege entstehen.

Das Schloss gehört natürlich zu Europa. Der denkmalgeschützte Lennésche Landschaftspark bildet die Kulisse für begehbare Gehege mit europäischen Hirschen und eine neue Wolfsanlage, die einem ganzen Rudel Platz bietet. Andere Tiere wie Hasen und Igel, Uhus, Wisente und Wildkatzen gehören ebenfalls zur europäischen Tierwelt, sie leben hier in einem Märchenwald.

In der Nähe des Schlosses soll eine riesige begehbare Vogelvoliere mit Vögeln aus aller Welt entstehen. Auf einem Baumwipfelpfad kann man den Tieren hier näher kommen.

Im Zentrum des Tierparks wächst ein Urwald. Die umgestaltete Cafeteria und ein neuer Abenteuerspielplatz gehören zu diesem Bereich.

Südlich grenzt Südamerika an, hier leben z. B. Brillenbären, Guanakos und Ameisenbären. Die Seekühe kann man dann hier in der neuen Amazonas-Wasserwelt besuchen.

Landleben für Stadtkinder soll der Hof Rosenfelde bieten. Illustration: Tierpark Berlin

Landleben für Stadtkinder soll der Hof Rosenfelde bieten. Illustration: Tierpark Berlin

In der Erlebniswelt Kiekemal  können Kinder Farmen aus aller Welt kennen lernen.  Auf dem Hof Rosenfelde erlebt man wie es auf einem deutschen Bauernhof zugeht.

Für die vielen Besucher, die der Tierpark dann hoffentlich haben wird, ist ein weiterer Nebeneingang in der Gensinger Straße angedacht. Hier sollen dann auch zusätzliche Parkplätze entstehen. Ein Parkhaus am Bärenschaufenster ist ebenfalls eine Überlegung der Planer.

Das Ziel: Ein ganztägiges Ausflugsziel für alle Berliner

Für alle diese geplanten Projekte, die bis 2030 umgesetzt werden sollen, werden mehr als 92 Millonen Euro benötigt. Beim Finanzsenator wurden die Mittel bereits beantragt. Die Diskussion im Hauptausschuss wurde allerdings auf die Zeit nach der Sommerpause verschoben.

Natürlich können nicht alle Vorhaben auf einmal realisiert werden. Die Planung sieht drei unabhängige Phasen vor, für die erste Phase, die von 2016 bis 2022 umgesetzt werden soll, werden 49 Millionen Euro benötigt. Zoo- und Tierpark-Direktor Dr. Andreas Knieriem will die Öffentlichkeit und die Politiker für die Idee begeistern, den Tierpark als ganztägiges Ausflugsziel für alle Berliner zu etablieren. „Im Tierpark Berlin können wir große Tierherden ind großzügigen Landschaften präsentieren, diese Möglichkeit gibt es in keinem anderen Zoo“, betont er.

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