Neue Wohnlandschaft für Vögel im Berliner Zoo

Die zutrauliche Mähnentaube in neuen "Welt der Vögel" im Berliner Zoo posiert für Fotografen gern auch mal als Model. Foto: Zoo Berlin

Die zutrauliche Mähnentaube in neuen „Welt der Vögel“ im Berliner Zoo posiert für Fotografen gern auch mal als Model. Foto: Zoo Berlin

Wie macht man aus einem nüchternen Zweckbau ein gemütliches Heim für die Bewohner und ihre Gäste? Der Berliner Zoo zeigt an seinem großen Vogelhaus wie so etwas gehen kann. „Die Welt der Vögel“ ist jetzt wohl das größte und modernste Vogelhaus Europas.

Fast auf den Tag genau vor drei Jahren wurde das damals neu erbaute Vogelhaus eröffnet. Ich muss zugeben, dass ich beim ersten Besuch etwas erschrocken war: Kahle Betonwände im ganzen Haus, man konnte nur hoffen, dass die frisch gesetzten Pflanzen wachsen und die grauen Wände in den Freiflughallen mit der Zeit etwas kaschieren würden.

Mehr Farbe, Pflanzen, Licht und Platz

Aber „man kann aus Fehlern lernen“, so Frank Bruckmann, der Aufsichtsratsvorsitzende der Zoo Berlin AG. Betritt man jetzt die neu gestaltete Vogel-Welt, ist der Eindruck ein ganz anderer. Die grauen Wände wurden teilweise zu Felslandschaften, Farbe, mehr Licht und mehr Platz machen Volieren und Freiflughallen zu attraktiven Wohnlandschaften für die verschiedenen Vogelarten. „Man merkt, dass die Tiere seit dem Umbau viel ausgeglichener sind“, sagt Zoo- und Tierpark-Direktor Dr. Andreas Knieriem. „Die Vögel haben nun viel mehr Sitz- und Anflugplätze und natürliche Rückzugsmöglichkeiten.“

Der Balistar lebt in der Asien-Halle. Foto: sal

Der Balistar lebt in der Asien-Halle. Foto: sal

Die Besucher sind eingeladen, eine Rundreise durch die Kontinente anzutreten. In der Mitte des Hauses findet man jetzt zwei Freiflughallen. Die bisherigen kleineren Freiflug-Bereiche Afrika und Australien wurden zu einer knapp 450 qm großen Afrika-Halle zusammengelegt, hier wohnen z. B. Wiedehopf, Erdschmätzer und Schmetterlingsfink. Kunstfelsen, viele Pflanzen und ein Naturboden bilden für die Vögel einen naturnahen Lebensraum. Die etwas mehr als 400 qm große Asien-Freiflughalle ist zu einer regelrechten Dschungel-Oase geworden. In den Bäumen und Sträuchern zwitschern, pfeifen und gurren die Vögel in den verschiedensten Tönen. Zwei Bambus-Bänke laden ein, entspannt dem Konzert zu lauschen.

Die Asien-Freiflughalle in der neuen "Welt der Vögel" ist eine richtige Oase, die zum Verweilen einlädt. Wandmalereien ergänzen die vielen echten Pflanzen. Foto: sal

Die Asien-Freiflughalle in der neuen „Welt der Vögel“ ist eine richtige Oase. Wandmalereien ergänzen die vielen echten Pflanzen. Foto: sal

Die Wandbemalung schafft – zumindest für die menschlichen Besucher – in beiden Hallen den Eindruck einer räumlichen Tiefe. Die vielen echten Pflanzen werden ergänzt durch die gemalte bzw. gesprayte Landschaft. Von der „Entdecker-Station“ im ersten Stock aus kann man in die beiden 12 Meter hohen Freiflughallen blicken. Nach Afrika durch große Glasscheiben, zur Asien-Halle gibt es keine Abtrennung. So kann es durchaus passieren, dass die zutrauliche Mähnentaube den Besuchern auf der Empore, die wie eine balinesische Bambushütte gestaltet ist, Gesellschaft leistet.

Auf dem Touchscreen neue Vogelarten kreieren

Auch die vier großen Bereichen, die sogenannten Loops, die um die Freiflughallen herum angeordnet sind, laden zum Verweilen ein. Sei es, um die Vögel in den Innenvolieren zu betrachten oder um auf den großen neuen Touchscreens die Vogelwelt  zu erkunden. Mit dem Wisch über den Bildschirm erfährt man z. B. Einzelheiten über den Zug der Kraniche. Am virtuellen Vogelbaukasten kann man Kopf, Körper und Beine zur richtigen Vogelart zusammensetzen. Dazu gibt es dann einen Steckbrief mit weiteren Infos, die man sich mittels QR-Code aufs Smartphone laden und über soziale Medien teilen kann. Auch Phantasiewesen lassen sich so kreieren, die natürlich ebenfalls ihren eigenen Steckbrief bekommen. Die neuen interaktiven Lernstationen wurden von der Fördergemeinschaft von Tierpark und Zoo Berlin mit einer Spende von 150.000 Euro unterstützt.

In den Umbau wurden mehr als zwei Millionen Euro investiert, ein Dreivierteljahr blieb das Haus geschlossen. Eine neue Lüftungsanlage sorgt in den Loop-Bereichen für ein besseres Raumklima. Dazu tragen auch 37 neue Türen bei, die vor allem in den Volieren zwischen Innen- und Außenbereich eingesetzt wurden. Sie haben beheizbare Zargen, und können so den Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenbereich von bis zu 40 Grad im Winter besser abfedern.

Schwarze Gitter für einen besseren Durchblick

Aus den einst 48 Innen- und Außenvolieren wurden 35 großzügigere geschaffen. Auch hier können sich die Bewohner wie der rote Kardinal aus Nordamerika oder das Rosttäubchen (Mittel- und Südamerika) neben mehr Platz über eine dichtere Bepflanzung freuen. Herabgefallene Blätter und andere Pflanzenteile dürfen jetzt auch mal liegen bleiben und können zum Nestbauen verwendet werden. Die verzinkten Gitter der Volieren reflektierten das Licht, was die Sicht behinderte und wurden deshalb für einen besseren Durchblick schwarz gestrichen.

In der neuen Welt der Vögel leben jetzt 221 Vertreter aus 97 Arten. Vogelliebhaber können im Berliner Zoo jetzt sogar insgesamt 300 Vogelarten mit 1725 Vögeln bewundern.

Verantwortlich für die Tier-Zeichnungen und großflächigen Landschaften, die das gesamte Haus in eine farbenfrohe Welt verwandeln, sind der Berliner Wand- und Objektgestalter Lars Oschatz und die Berliner Künstlerin Bettina Bick. Die „Handschrift“ von Lars Oschatz ist Berliner Tierfreunden bereits gut bekannt. Er hat schon die Bimmelbahn im Berliner Tierpark und im Zoo zwei provisorische Shopcontainer gestaltet.

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2 Kommentare

  • Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen.Vielen Dank für die tollen Informationen.

    Gruß Sandra

    • sabel

      Hallo Sandra, vielen Dank für den netten Kommentar. Ich muss zugeben, dass der Blog in letzter Zeit etwas vernachlässigt wird. Ich hoffe, ich kann demnächst wieder mehr schreiben.
      Viele Grüße, Sabine

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